Mein Name ist Gothfrosch und ich habe Laktoseintoleranz und
gelegentlich leide ich unter Migräne.
Sicherlich müsst ihr jetzt denken, dass bei mir zu viel
Durchzug im Kopf herrscht, aber diese Begrüßungsfloskel ist schon längst nicht mehr abwegig. Immer mehr
Leute setzen ihre Krankheiten stellvertretend für ihre Persönlichkeit. Schon
längst heißt es nicht mehr: „Mein Haus, mein Auto und mein Boot, hier meine
Visitenkarte.“ „Meine Allergie, mein
Gendefekt und meine weiteren Krankheiten, hier meine Krankenakte“, ist
mittlerweile schon fast realistisch geworden.
Vorweg möchte ich aber erwähnen, dass viele Krankheiten eine
ernstzunehmende Sache sind, so ernst, dass man damit nicht um sich werfen
sollte wie mit Konfetti.
Ich selber habe ja auch eine Allergie, habe aber gelernt
mich damit zu arrangieren. Ich sag mir immer: Es hätte auch schlimmer kommen
können, irgendwas hat ja Jeder. Nur macht das Irgendwas nicht Jemandem zu irgendwas
Besonderem. Klar, es ist bemerkenswert, wenn man sich einem schweren Schicksal
stellt, aber ist es nicht dann erst
lobenswert, wenn man es nicht wie ein Schild um den Hals mit sich trägt,
sondern es mit Würden (er-)trägt? Allzu oft habe ich jetzt den Wandel in der
Gesellschaft beobachten, wo mit den körperlichen Seltsamkeiten die Latten
gemessen wurden. Der Krankheitskrieg aus den Ärztewartezimmern scheint
irgendwann mal ausgebrochen zu sein und verbreitet sich nun in der U-Bahn, beim
Bäcker und sogar in der eigentlich so krankheitsfreien Zone, in den Clubs. Der
Tanz der Gebrechlichkeit hat begonnen und oft habe ich schon Leute getroffen,
die beim Bäcker ganz fanatisch erwähnen mussten, dass ja dieses und jenes bloß
nicht im Gebäck enthalten sein soll WEIL sie ja eine ganz heftige Allergie
haben, die sich so und so äußert. Das Weil und mit welchen Folgen will doch
kein Mensch wissen, zumindest will ich es nicht. Da gibt es nur 2 Optionen zur
logischen Erklärung dieses Verhaltens:
1. Bewusst herbeigehofftes Mitleid oder 2. Sie sind tatsächlich nicht
krank und zeigen nur gerne ein Stickeralbum der Krankheiten herum oder
schlimmsten Falls trifft beides zu… Den Plötzlichen BOOM der Laktoseintoleranz
erwähnte ich ja bereits 2010 in dem Beitrag (hier der Beitrag) und seit dem ist es drastisch
angestiegen. Dazu kommt ein total unlogischer und übertriebener Modeboom von
Veganismus, bei meinem Erachten nach teils viel zu jungen Menschen, die sich
wegen „Mode“ jetzt tatsächlich kaputthungern. Ich möchte hier nicht den
Veganismus verteufeln, aber die (jungen) Leute wissen teilweise nicht was sie
da tun und haben keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollen. Ohne darüber
richtig Bescheid zu wissen, stürzen sie mit Kopfsprung in ein Becken ohne
Wasser. Was zählt ist: Hauptsache mitmachen.
Doch nicht nur eine unproportionale Verdichtung von
Allergie- und Lebensbekenntnissen ist mir ins Auge gesprungen, noch viel
brisanter finde ich, dass viele Krankheiten als Rechtfertigung und maßgeblichen
Ursprung eines Persönlichkeitsbildes genutzt werden.
Es gilt an dieser Stelle erst einmal zu klären was eine
Krankheit ist, gut ich bin keine Fachfrau, aber meine Interpretation ist: Eine
Krankheit ist ein meist schwer oder kaum heilbarer Prozess, der die Person in
einen für das Leben gefährlichen Zustand manövriert. Im Schlimmsten Fall so
etwas wie AIDS oder Krebs. Viele dieser schlimmen Krankheiten werden von
gefährlichen Viren oder Erregern oder schädlichen Umwelteinflüssen ausgelöst.
Ein Husten oder ein Schnupfen ist keine Krankheit, dies sind meist Säuberungen
des Körpers durch die Aktivierung des Immunsytems. Nichts mit Gendefekten oder
irgendwelchen Krankheiten. Es sind ganz natürliche Prozesse, die sogar am Ende
etwas Gutes für uns übrig haben. Warum kriegt man denn sonst nach kurzer Zeit
keine 2. Erkältungen?
Ich wollte aber noch
auf einen ganz anderen Punkt zu sprechen kommen:
Es werden oft Dinge
als eine Krankheit bezeichnet, die an und für sich nicht direkt eine Krankheit
im klassischem Sinne sind. Die Eigeninterpretation mit ein bisschen Gesülze aus
Film, Gesellschaft und Hysterie sind ein super Potpourri der Apokalypse für die Selbstdiagnose einer
„Krankheit“.
Ich liebe ja die Auskünfte über „Schwippschwäger, dessen Hunde mal in einen
Internetforum Antworten auf Fragen wie „
Was habe ich für eine Krankheit? Ist es dies oder das? Muss ich sterben?“
gegeben haben und dem Googler dann das Gewissen zu belästigenruhigen.
Solche Leute sollte man ja eh mit der Mistgabel durchs Dorf jagen. Nicht nur,
weil sie Leuten schon glaubhaft den Tod erklärt haben, sondern weil sie
teilweise auch mit einem Dünnschiss auf die eigentlichen Fragenpunkte eingehen.
Ganz nach der Devise „ich weiß was, ich muss meinen Senf dazu abgeben“. Ich
schweife ab…
Ich stelle nun konkret die Fragen:
Ist es z.B. eine Krankheit wenn Menschen etwas Schlimmes
erlebt haben und daraufhin Probleme mit ihrer Psyche bekommen? Hat das irgendwas mit krank
zu tun, wenn die Psyche bei sowas verständlicherweise nicht mitmacht? Ist es
eine konkrete Krankheit? Nein! Nein! Und nochmals Nein! Psyche ist Geist und
ein Geist wird nicht krank. Gedanken infizieren sich nicht durch Erreger, sie
kriegen höchstens Mauern oder lösen andere Gefühle aus. Sicherlich ist das Bild
einer kranken Psyche so entstanden wie der ominöse Selbstmord. Wie in aller Herrgottsnamen
soll man sich, wie sonst durch Dritte gemordet, auf einmal selbst morden? Zumal
es schon nicht funktioniert, weil ein Mord eigentlich nie freiwillig ist, ein
Suizid hingegen schon.
So ist wohl auch die kranke Psyche entstanden. Etwas völlig
Ungreifbares bekommt plötzlich etwas „organisches“ eingepflanzt. Ich mache mir
wahrscheinlich mit dieser Aussage keine Freunde, aber ich finde die Wortwahl so
schlecht, dass es doch nur dazu einlädt, dass die Leute von klein auf solche
Worte wie Schwämme aufsaugen, um sich, wenn benötigt daran zu bedienen. Die
Wortwahl ist einfach unpassend. Man soll wenn schon von einer gestörten Psyche
reden, nicht aber von einer kranken.
Doch, um mal wieder etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen:
In Deutschland wird sich durch und durch schlecht um Leute
mit psychischen Störungen gekümmert, da wundert es mich auch nicht, dass solche
Worte wie Selbstmord und kranke Psyche nicht schon längst durch kompetente
Beratung vertrieben wurden. Menschen, die merken, dass sie Probleme mit ihrer
Psyche haben suchen nach einem Psychologen, was ja auch normalerweise neben einer
Vitamin-B-Behandlung der logische erste Schritt ist. Doch der Psychologe nimmt
die Leute meistens nicht ernst, da ja
mittlerweile alle möglichen Leute denken sie seien jetzt psychisch KRANK, weil
sie sich mal mit jemandem gestritten haben. Hier tritt dann die Relativierung
durch Andere in Kraft. Was auch häufig
der Fall ist: die Psychologen haben volle Terminpläne und behandeln nur noch
auf private Bezahlung. Dass kann sich natürlich Jemand leisten, der grade in
dieser bombigen Wirtschaftszeit seinen Job, seine Familie und seinen Wohnsitz
verloren hat. Der Psychologe denkt auch meist im Traum nicht daran die Leute zu
behandeln, die nicht privat bezahlen. Also muss der Patient sich einen anderen
Weg suchen, denn es gibt nichts Schlimmeres, als die Nichtbehandlung der
Menschen mit psychischen Störungen. Und am Ende steht dann die Psychiatrie als
Ausweg da. Sie sind nicht per se schlecht, stehen nur als Erstbehandlung wie
Kanonen vor Spatzen. Unpersönlich, kalt, teilweise leider auch
Massenabfertigungen und allzu oft Fixierung, die noch mehr Traumatas auslöst.
Dann kommt irgendwann die Pille, die das Wesen nicht allzu selten komplett
verändert. Ist die Pille immer DIE Lösung? Vor allem sind die Nebenwirkungen ja
auch nicht ohne… Die Pille gegen alles gibt es eben nicht. Es gibt ja durchaus
gute Therapiemöglichkeiten, die auch oft Erfolge zeigen. Doch wo das Geld
fehlt, fehlt auch die Heilung.
Überall Aufklärung, die nicht aufklärt sondern
einredet. Warum lässt man alles zu
„krank“ verkommen? Warum erzählt man anderen Menschen öfter von seinen
Kopfschmerzen, Durchfall (eigentlich alle Beide für mich auch keine
Krankheiten, sondern ganz normale Reaktionen des Körpers auf Umwelteinflüsse,
aber ein Haufen andere Menschen bezeichnet es als Krankheit und sonst wäre ja
auch mein Text hier für die Katz oder den Zahnarzt oder den Ornithologen oder
das Veterinäramt…) und was sonst noch zur Appetitanregung dazugehört, als davon
zu erzählen, dass man im Park war und einen alten Freund dort getroffen hat? Ist es aus Angst, dass man damit etwas erzählen würde, was die
Person gegenüber nicht verstehen würde? Natürlich versteht sie das und sie kann
es genauso nachempfinden wie Kopfweh und Konsorten.
Oder mittlerweile auch als App zum Krankheitsalbum für jedes
Smartphone erhältlich:
Die Selbstdiagnose! Juche! Kündigt alle Ärzte und baut von
dem eingesparten Geld Spielplätze für die Welt! Wenn sich doch der Körper in
einem für die Person noch unbekannten Zustand befindet, warum machen die Leute
dann so gerne Selbstdiagnosen? Wenn sie gleich wissen was sie haben dann trifft
vielleicht folgendes zu:
- Sie haben Nichts.
- Sie sind Arzt.
- Sie wollen krankfeiern und wisse mit wem. (Oder soll ich zum
Verständnis ehr „was“ sagen?)
- Sie haben eine blühende Fantasie.
- Sie lesen zu viel in Frage-/Antwortforen.
- Sie haben Schwippschwäger.
- Der Schwippschwager hat einen Hund mit Internetzugang.
Ist dieses „um-sich-werfen-mit-Krankheiten“ nicht pietätlos
und eine Beleidigung an Menschen mit ernsthaften Krankheiten? Im Mittelpunkt
steht nicht mehr der Mensch der leistet, sondern der, der leidet. Es bekommt
immer der die ganze Beachtung, der den Clown macht oder am lautesten schreit,
und dabei rückt der eigentlich kranke Mensch in den Hintergrund, und macht
mittlerweile eine Relativierung und Abwertung seines Zustandes dadurch bedingt
mit, da man „sowas doch ständig hört“…
Der Vetter von der Inge hat das auch… Da fällt mir echt nichts mehr zu ein.
Einfach nur noch: ARGH!
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Also mal die Dialysen runtergefahren:
Mein Name ist Gothfrosch und ich schreibe für mein Leben
gerne meinen Blog. Worte haben es mir total angetan und sind wohl eine große
Liebe von mir. Worte sind für mich Magie. Mit ihnen zu spielen ist das reinste
Mindgame. Faszination Wort.
Lange Zeit habe ich kein Lebenszeichen von mir gegeben. Nun
ist die Zeit vielleicht wieder vorbei und ich husche öfter mal wieder auf meine
virtuelle Gedankenplattform.
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Ich hoffe, dass man es mir entschuldigt, dass ich so lange
nichts mehr von mir habe hören lassen. Ich steckte mitten im Umzug und habe
diese einmalige Chance genutzt mein Leben etwas umzukrempeln und aufzuräumen. Ich
konnte mich immer mehr fürs Kochen und die Gartenarbeit begeistern. Dass ich
einen Garten habe ist ein Segen für mich. Er ist zwar sehr klein und ich kann
nur 50cm tief buddeln, da ich sofort auf altem Gestein lande, aber man glaubt
nicht, was man damit alles anstellen kann. Wie der Garten, so brauchte auch das
Häuschen sehr viel Zuwendung und ich stand 2 Monate kontinuierlich mit Maleroverall,
Bohrer, Schwingschleifer, Pinsel und Hammer am Werke. Zum Glück habe ich sehr
hilfsbereite Vermieter/Nachbarn, die regelmäßig mit Essen und Werkzeug vor der
Tür standen. Es ist in den ersten 3 Monaten das reinste Schlachtfeld gewesen,ber
am Ende kann man sagen, dass man es selbst gemacht hat. :)
Ich habe halt ein offenes Herz für das, wo andere behaupten,
dass es „kaputt“ sei. Die Pflege und Liebe zu solchen Dingen erfüllt mich mit
Freude.
In diesem Sinne möchte ich mit der Freude verbleiben, endlich
wieder den wörtlichen Anschluss geschafft zu haben.
XOXO
Gothfrosch