Wir schreiben das Zeitalter 2011. Es ist Freitag der 21.01, 20:00Uhr:
Der Beginn einer 14 Stündigen Autofahrt, mit ganz viel Spaß und keine Lust mehr, zum Nulltarif.
Die tüchtige Hausfrau hat fleißig Schnitten geschmiert, als wenn sie mit 4 Kindern in den Urlaub fährt.
Los geht die Fahrt.
Wo man zuvor noch 75€ beim Tierarzt latzen musste, stellte man nach 150 Kilometenr fest, dass man sein Privatgeld zu Hause vergessen hat. Das konnte ja heiter werden, materte mein Hirn mir ein. Und das wurde es auch.
Nach knapp 1 1/2 Stunden musste die erste von vielen Pinkelpause eingelegt werden.
Nach ca. 2 Stunden auf der Höhe Bitburg, begann es dankender Weise zu schneien. Beim betätigen des Fernlichtest hätte der Wagen, fast von selber und vor lauter Schock, den Graben aufgesucht. Es schneite wie bei Frau Holle. Mal ganz nebenbei: Kennt ihr noch den Windows XP Bildschirmschoner, wo man durch die Sternengalaxis fährt? :D
Aber da wir ja das Glück im Jamba-Abo haben, hörte der Schnee schon nach 70 Kilometern, auf der Höhe Luxemburg auf. Die nächste Pinkelpause klopfte an meine Blase.
Es wurde die letzte Raststätte auf der Strecke durch Luxemburg angesteuert. Der Tank bedurfte auch bereits nach Benzin für 1, 25 € pro Liter. Da wir zu dumm zum Schilder lesen waren, landeten wir auch gleich an einer LKW-Zapfsäule mit LKW Diesel.Was nun? Natürlich rückwärts zurückfahren und den Bordstein übersehen, der sich mit einem melodischen Krachen dem rechten Hinterreifen vorstellt. Es konnte nicht mehr schlimmer werden? Doch! Schließlich musste ich noch dringend auf Toilette und auf dem Parkplatz stellte man fest, dass anscheinend alle Schulen Luxemburgs eine Klassenfahrt hatten. Das war glaube ich für diese Fahrt die letzte Pinkelpause, die ich nicht unter dem Panoramadach des Sternenhimmels einlegen durfte.
Nach 15 Minuten Wartezeit, ging es auch gleich mit den gepellten Eiern aus der Tupperdose weiter, die das Auto vermieften. 300 Kilometer später bei Besancon, verfuhr man sich das erste Mal. Wir fanden den Boulevard Président John F. Kennedy nicht. Doch dann ging es heiter weiter über die Avenue Pasteur, die Route de Lons le Saunier auf die Avenue de Bad-Kreuznach. An dieser Stelle möchte ich, dass ihr den letzten Satz nochmals mit Elfenzunge lest, aber nur Bad Kreuznach am Ende eine Kölsche-Betonung zuordnet.
Schlappe 3 Kilometer später rief die nächste Pinkelpause nach mir. Ich habe wahrlich gelernt. Entweder lege ich mir das nächste mal selber einen Katheder oder unterbinde es während einer 1200 Kilometer Autotortur, Tee zu trinken. Nur gab es weit und breit keine Sanitäranlagen, man befand sich ja auch in Mitten eines Kaffs, wo ich nicht sagen möchte, dass es hässlich war. So durfte ich die Erfahrung machen, wie es ist bei gefühlten -8 °C etwas natürliches direkt der Natur zu schenken. Per to per. Onto, into. Ich kam mir total beobachtet vor. Den kleinen Wagen im Blickfeld, durfte ich also feststellen, dass Mutter Naturs Sanitäranlagen sehr zu wünschen übrig lassen.
Was fehlte jetzt noch im Repertoire eines schlechten Frauentages? Richtig, die Kopfschmerzen. Durch die trockenen Heizungsluft geplagt, hatte mein Gehirn eine Schrumpfung vollzogen und war nun wohl auf die Größe einer Rosine angetrocknet. Man entschied sich also, mir etwas Schlaf zu gönnen, der eine viertel Stunde später von dem Gefühl, als wenn einem der Magen zwischen die Schulterblätter schwebt, unterbrochen wurde. Man hatte eine sehr wellige Strecke erreicht, wo das Spielkind am Steuer natürlich drüberbrettern musste.
Es blieben mir weitere 150 Kilometer Schlaf, dann kam ein Tankstellenstop um etwas 6:00 Uhr morgens. Ich trank zu meinem Übel kurz darauf etwas Cola, deren Kohlensäure ich nicht mehr los wurde. So wurden zwei Nothalte eingelegt, wo ich etwas spazieren gehen konnte, was natürlich nichts brachte.
Meinerseits wurde danach gemütlich (mit Kohlensäurelast) weitergeratzt, bis man mich voller Entsetzen weckte, wir befanden uns 1200 Meter über dem Meeresspiegel, es lag Schnee und die Strecke war der reinste Slalom. Vor uns befand sich ein Urlaubsbus mit 60 Rentnern, die wahrscheinlich auf der Strecke allesamt ihr Testament schrieben. Ganz unbeeindruckt schlief ich eine weitere Stunde. Beim Aufwachen wurde ich mit einem himmlischen Anblick belohnt. Es war 9:00 und die Sonne begann auf die umliegenden Berge zu strahlen.
Die Aussage "ein Lichtblick", bekam hier eine ganz neue Bedeutung:
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Es galt noch ungefähr 200 Kilometer zu schlagen, quer durch die Berge mit ganz viel Kurven, Kurven und am Steuer sitzende Rentner in den Kurven. 20 Kilometer vor dem Ziel, auf der Höhe Grasse, entschloss ich mich dann doch mal wach zu bleiben, schließlich schien die Sonne und das Meer rückte immer näher. Bergabwerts befanden wir uns schließlich am Ziel. Golfe Juan. Ein seltsames Resümee: Man fährt mit großen Erwartungen los, kommen auf 1200 Meter Höhe und landet am Ziel dann doch bei null, genau gesagt: exakt bei null Metern über dem Meeresspiegel. Hinter einem liegt 1200 Kilometer Strecke im Leben eines pubertierendes Teenagers:
Es ging auf und ab, Kopfschmerzen und zu zweit auf die Toilette zu gehen, aber über das Pinkeln in den Gegenwind brauche ich glaube ich nicht mehr zu reden. :D
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Dank der 8-Seitigen ADAC-Routenempfehlung erlebte man eine Tour de France auf die besondere Art und Weise, aber all das hat sich total gelohnt. Seht selbst:
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