Als ich letztens so nichts ahnend durch die Innenstadt fuhr, grinste mich neben schlechter Plakatwerbung, noch Schlechtere an. (Ich wünsche mir ja insgeheim schon seit längerer Zeit einen Sticker „Scheiß Werbung!“, um meiner Abneigung von Plakatwerbung freien Lauf zu lassen.)
So fuhr ich nüchtern und voll aufnahmefähig durch die Gegend und sah die Hiobsbotschaft auf 2x A0. Big Brother startet wieder. Als wenn das Mitten im Leben von schlechten Schauspielern nicht genügt, muss man jetzt auch noch mitten im Leben sein, von einem Haufen Menschen, die man auf der Straße bestimmt nicht angesprochen hätte, um an ihrem Leben Teil zu haben. Und so folgen wir einem Haufen wild gewordener Affen, die man wie Ratten in einen Käfig steckt und schaut was passiert. Was passiert wohl? Sie vermehren sich, sie streiten sich und sie kämpfen um ihr Territorium.
Was haben uns die gefühlten 850 Staffeln dieser Sendung denn schon gebracht?
Durchaus ganz viele Schlechte Sänger. Darunter: Ein Typ der mit cool düsterem Timbre ein Lied bequatscht, dessen Refrainpassage von der Dame, leider etwas falsch verstanden werden kann: „Ich will nur Dick, für mich…“. Dann waren da noch die 2 ebenfalls harten Kerle, die sich stiefmuttersöhnchenhaft mit ihrer Bruderliebe beschmusten. Nicht zu vergessen: Die etlichen Skandale und eine Quizsendungsmoderatorin, die bei mir einen Wegschaltfinger-Reiz verursacht, ohne etwas sagen zu müssen. Ein Tier mit st? Stirnlappenbasilisk, das weiß doch jeder…
Dass die Sendung vor Einzug in den „Müll-Container“ schon Castings macht, zeigt ganz deutlich, dass für den Affenstall die besten Clowns und Quoten-Idioten gesucht werden. Kaum ist das Dschungelcamp vorüber, geht es genauso subtropisch weiter, nur auf einem unnatürlicheren Territorium. Man hätte eigentlich die Darsteller behalten können, hat ja bei RTL schließlich auch funktioniert. So wäre zumindest das Casting überflüssig gewesen.
Mal ganz nüchtern betrachtet: Wer würde seinem Nachbarn beim Toilettengang, essen und Streit mit seinem Mitmenschen schon gerne folgen? Aber dieser überflüssige Einbruch in die Privatsphäre ist scheinbar gewünscht, so wie Leute bei Autounfällen gaffen, können sie es auch bei diesem sinngemäßen Autounfall nicht unterlassen. Und das teilweise 24 Stunden auf Abruf, für die ganz hart Gesottenen, die keine wortwörtliche „Schnarch-Szene“ verpassen möchten.
Und jetzt lärmt es in meinem Hirn: „Große Bruder, du bist immer da…“ Oh Nein, Slatko hatte leider Recht… Und dank Smartphones auch überall immer da, in jeder Handytasche…
Und um gleich nicht etwas an den Kopf zu bekommen, stoppe ich jetzt den Player, der mir zu dokumentarischen Zwecken „Slatko & Jürgen – Großer Bruder“ pene… äh präsentierte. :D