Ich pflanze einen Gedanken,
begieße ihn mit meinen Ideen
und schon bald
trägt mein Baum leckere Früchte.


Mittwoch, 29. Juni 2011

Heute habe ich mich mal tot gegoogelt.

Heute google ich mich tot.

Und das "Lustige" daran ist, das tue ich wortwörtlich.
Das Internet ist ja voll von Halbwissen, Wissen und dazu ernannten Wissen.
Ich werde regelmäßig ermahnt mich nicht im Internet umzuschauen, falls mir etwas fehlt.
Die Selbstdiagnose via Internet hat nämlich einige Nachteile: Sie ist grenzenlos, hysterisch und vor Allem, nicht auf den Patienten abgestimmt, sondern behandelt nur generelle Fälle.

Gut, das möchte ich jetzt mal austesten. Ich überlege mir einen Schmerz und suche, was ich wohl möglich haben könnte.
Ich versuche es mal mit Schmerzen im Handgelenk.
Eine Dame hat von Schmerzen im Handgelenk berichtet und sucht nun Rat in einem Forum.
Es fallen sofort Diagnosen anhand ihres kurzen Textes.
Gewiss nach dem Prinzip: "Die Freundin meines Opas hatte das auch mal und jetzt weiß ich, was das ist."
Erste Diagnose: Sehnenscheidenentzündung. Doch das wird gleich zunichte gemacht, weil es wohl nicht gefährlich genug ist. "Ich tippe darauf, dass es deine Nerven sind. - Karpaltunnelsymdrom", direkt mit Link, um die Katastrophe gleich nachlesen zu können. Mit dieser Halbwissendiagnostik gibt man sich wohl anscheinend erstmal zufrieden. Wenn ich mir so die Infos über diese Krankheit durchlese, muss ich schnell feststellen, dass es eine ernstere Krankheit ist.
"Muskelschwund im Daumenbereich, Schwäche beim Zupacken, Schädigung des Nervenbereichs, Zerstörung der Schmerzfasern. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass es operativ entfernt werden muss.
Auszug: Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Bei Risikopatienten oder auch auf Wunsch kann unter Regionalanästhesie oder in Lokalanästhesie operiert werden. Dann ist zusätzlich eine Betäubung des Armes erforderlich, damit die für die Operation benötigte Blutleere besser ertragen wird. Sie kann als Axilläre Blockade oder intravenöse Regionalanästhesie durchgeführt werden. Zur Herstellung der Blutleere wird das Blut mit einer ringförmigen Walze aus dem Arm "gewickelt" und das Rückströmen des Blutes in den Arm durch eine Blutsperremanschette verhindert.


Dann bleibe ich erstmal bei dieser Diagnostik.
Ursachen sind teilweise Alkoholmissbrauch, Nierenschäden, Diabetis melitus...
Alkoholismus kann man in der Regel selber abwegen, aber vielleicht wusste man noch nichts von seinen Nierenschäden oder Diabetis melitus. 
Da wären wir schon bei der nächsten Hysterie. Wir suchen nach Erklärung, stolpern über die Ursachen und flutsch, breitet sich eine neue Sorge aus. "Vielleicht habe ich Nierenschäden? Aber sie sagten doch was von Nervenschäden?!"
Jetzt googeln wir mal nach Nervenschäden.
N-TV weiß Rat: Anfangs pelziges Gefühl, später Schmerzen in Hand oder Fuß. Passt doch auf den ersten Blick schon einmal. Ich fange erneut Ursachen auf: Krebsleiden und Erbkrankheit. Eine weitere Seite spricht von Vergiftungen. Symptome wie zitternde Hände kommen hinzu.
Gucken wir mal unter zitternden Händen nach, den hier spielt unsere Erinnerung mit und wir erinnern uns an des öfteren zittrige Hände. Und schon bin ich bei Parkinson gelandet.
Symptome: Schmerzen am Bewegungsapparat. Na, das passt doch.


Auszug:  Dabei kommt es zu einem Absterben von Nervenzellen.


Das geht doch noch etwas genauer, oder? Ich google und lese, dass es kein Heilmittel für Parkinson gibt. Klingt schon schlecht...
Als wissensdurstiger Mensch google ich folgendes: "Wie äußern sich abgestorbene Nervenzellen?" Und bekomme ein Ergebnis mit Orgasmus und eins mit Tollwut. 
Der Orgasmus klingt abwegig, also machen wir uns mal bei Wikipedia über die Tollwut schlau:
Infektion durch Schleimhautkontakt, führt fast immer zur tödlichen Gehinrentzündung. Gehirnentzündungen äußern sich ebenfalls mit Lähmungen und Krämpfen.


Langsam artet es offensichtlich aus, wie vorhergesagt und ich erkennen, dass ich noch Stunden lang so weitermachen könnte.


Mein Fazit: 
Wir fangen mit etwas kleinem an und aus einer Mücke wird durch das Internet tatsächlich ein Elefant gemacht. Ein Sammelsurium von Auskünften, die nicht geeignet für Gutgläubige und naive Ja-Sager sind, die blind auf das Medium Internet vertrauen.
"Ich habe meine Hausaufgaben gegoogelt und eine 1 dafür bekommen, also hat Google immer Recht." 
Diese Gutgläubigkeit ist leider weit verbreitet und ist in diesem Falle noch hinderlicher, sich selbst zu diagnostizieren. Da es ja bekanntlich noch den Hang zur Übertreibung gibt, und der aufmerksamkeitsgeile Mensch sich gerne in etwas hineinsteigert, kommt also alles infrage. 
Das Hirn matert: "Nichts kommt von ungefähr" und so kommt es wohl auch infrage, dass wir vielleicht noch eine Andere schwere und noch unentdeckte Krankheit haben. Wer zuvor noch kein Hypochonder war, ist es spätestens danach.


Was ich mich nun frage: Ist dieses Phänomen in Deutschland vielleicht noch schlimmer? Der Deutsche dreht ja schon durch, wenn 10.000de von Kilometern ein Unglück passiert und verfällt in seine Klischee-haftige Hysterie.


Wie auch immer der Mensch auf solche eine gegoogelte Selbstdiagnose reagiert, ich weiß:


Ab zum Arzt, der sollte es eigentlich besser wissen... sollte...



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