Ich pflanze einen Gedanken,
begieße ihn mit meinen Ideen
und schon bald
trägt mein Baum leckere Früchte.


Montag, 10. Januar 2011

Mein Leben als Rentner - Das Experiment

Keine Zeit ist ein gutes Stichwort.

In dem heutigen Jetzt hat keiner mehr Zeit. Was sehr verwunderlich ist, da eigentlich mit der Modernisierung alles schneller wird und man rein theoretisch mehr Zeit haben müsste, wenn man zum Beispiel nicht 2 Stunden warten muss, bis Windows 3.1 hochgefahren ist. Selbst Rentner haben keine Zeit mehr. Aber dieses Geheimnis habe ich wohl ergründet, in einer Selbststudie, Entschuldigung “Geduldsfolter“. Es liegt an der “Mono-Beschäftigung“. Full -Time Rentner schaffen exakt nur eine  größere Tätigkeit täglich. Der Rest des Tages bleibt für Traumschiff und den Musikgarten im TV übrig, was man ja nicht grade als aktive Tätigkeit bezeichnen kann.

So habe ich mir tatsächlich mal den Spaß erlaubt und meine Zeit mal genutzt wie ein Rentner.

Montag: Ab zum Arzt. Das ist ja alt bekannt, dass Montags die Bude voll ist bis oben hin. Das Wochenende muss echt hart sein für einen Rentner, dass er schon um 7:00 Uhr beim Arzt stramm steht. Und dann geht das Krankheiten-Battle im Wartezimmer los. Schon vom Zuhören war ich danach klinisch tot.

Dienstag: Ab auf den Friedhof. Jaha, einige mögen jetzt sagen, dass ich dahin gehöre, aber so oft ist man auch nicht da, es sei denn man wohnt bei mir in der Gegend und schenkt der Buchausgabe des  örtlichen Bürgerings Glauben. „Ein wunderschöner Friedhof, nicht nur sehr beliebt bei Spaziergängern, sondern auch ein Treffpunkt für Jedermann.“ Na ja, ironischer Weise haben sie damit auch noch recht, früher oder später trifft man sich dort tatsächlich - vielleicht. Egal, ich habe jedenfalls den Friedhof vom Flurfenster 1.OG prima im Blickwinkel und tatsächlich trifft man dort ständig ältere Leute an… warum nur?

Mittwoch: Auf ins Café. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass 3 alte Damen bei ihrer Unterhaltung ein perfektes Zeitgefühl haben. Da quatscht keiner einem ins Wort. Haben ja auch 60 Jahre zum üben Zeit gehabt.

Donnerstag: Heute stelle ich mich den ganzen Tag in den Garten oder bei Regen an das Fenster. Habt ihr das schon mal beobachtet? Gruselig oder? Einen ganzen Tag die Nachbarn beobachten, aus Angst etwas zu verpassen. Ich war mal der Annahme, dass besagte Personen zur Arbeitszeit Sheriff waren, aber so viele? Das geht teilweise um halb 6:00 in der Früh los. Ganz Fortgeschrittene geben dann noch zum Straßengeschehen ihren Senf ab.

Freitag: Nochmal zum Arzt, es naht ja schließlich ein Wochenende.

Samstag: Die Rentnerin (beim Rentner wäre es ja sehr unlogisch - so ohne Haare)  guckt in ihren Terminkalender und stellt fest, dass heute wohl der einzige Tag ist, an denen Berufstätige zum Friseur gehen können. Also geht sie zum Friseur (mit Termin!) und babbelt einfach mal 2 Stunden lang über Gott und die Welt. Nach ungelogenen 3 Stunden Wartezeit habe ich den Friseurladen verlassen – ohne neue Frisur.

Sonntag: Nach dem erfolgreichen nicht Haarschnitt am Samstag, hatte ich keine Lust noch meinen Sonntag zu verschwenden. Aber ich kann es mir erahnen was Sonntags auf der Tagesordnung steht. Morgens Kirche, Abends Tatort.

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